Jahreshauptversammlung: Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden

Liebe Sportskameradinnen und Sportskameraden,

hinter uns liegt ein denkwürdiges Jahr. Ein Jahr weitgehend ohne Sport, über Monate hinweg waren die Jahnkampfbahn und die Turnhallen der Stadt geschlossen. Was sich im Frühjahr 2020 für drei Monate andeutete, setzte sich im Oktober letzten Jahres umso intensiver fort. Covid-19 hatte auch den TSV fest im Griff. Mit Beginn des Juni diesen Jahres durften die Sportstätten dann wieder schrittweise geöffnet werden, wenn mit den Einschränkungen der Abstands- und Hygienevorschriften. Wir alle sind froh, dass wir wieder Sport treiben dürfen, in der Hoffnung, dass wir im Laufe des Sommers den Rhythmus des Sports im TSV aus dem Jahr 2019 wiederherstellen können: mit Turnen für Alt und Jung, mit Reha-Sport, mit Tennisspielen und Leichtathletik auf der Jahnkampfbahn, mit Ligaspielen bei den Fuß- und Handballern und mit der neu eingerichteten Basketballabteilung – der ich an dieser Stelle einen guten Start wünsche.    

Die Abteilungen

Ein Sportverein ohne Sport. Das ist eigentlich ein Desaster. Und doch ist gelungen, unseren Verein zusammenzuhalten. Neben den vordergründigen Kriterien wie Sportstätten, Organisation, Finanzierung hat sich im vergangenen Jahr gezeigt, was der Kern unseres Vereins ist: der menschliche Zusammenhalt. Josef Curvers, Friedbert Janssen, Ronny Voigt, Günter Sirsch und Elke und Hans Gotzen haben ihre Abteilungen zusammengehalten, gemeinsam mit den Kameradinnen und Kameraden in der Leitung der Abteilungen, zusammen mit den Übungsleiter/innen und Betreuern und den zahlreichen Helfern. Hygienekonzepte wurden geschrieben, kommuniziert und umgesetzt, digitale Sporthausaufgaben organisiert, und zwei Mal ein Restart – im Sommer 2020 und in diesem Monat – auf die Beine gestellt. Und in diesen Wochen erleben wir, wie gut der TSV lebt: alle kommen wieder, die Jungen und Alten, die Mannschafts- und Einzelsportler/innen, alle freuen sich, wieder miteinander Sport treiben und danach noch ein wenig zusammensitzen zu können. Jupp, Friedbert, Ronny, Günter, Elke und Hans: Ich danke Euch herzlich, ihr seid das Herzstück unseres Vereins.

Die Gesamtentwicklung des Vereins

Der TSV ist finanziell gesund. Das bleibt so, wenn unsere Mitglieder ihren Beitrag zahlen. Es ist notwendig, dass alle Jungen und Mädchen, alle Familien, alle Erwachsenen, die bei uns Sport treiben, das auch tun. Regelmäßig, in der richtigen Höhe und ohne Ausnahme. Wenn es soziale Notwendigkeiten gibt, Beiträge zu reduzieren oder auszusetzen, muss man darüber sprechen: mit den Abteilungsleitern und dem Sozialwart. Wir lassen niemanden im Stich. Wir brauchen diese aktive Solidarität im Verein, um unsere gar nicht so kleine Maschinerie am Laufen zu halten: den Sportbetrieb ebenso wie die Sportanlagen.

Die Solidarität unserer Mitglieder mit dem TSV ist hoch. Wir haben in den langen Monaten der Schließung des Amateursports neben der üblichen Fluktuation rund 100 Mitglieder verloren. Das ist nicht wenig, aber mit Blick auf immer noch rund 1.600 Mitglieder auch nicht viel. Ich hoffe sehr, dass viele Kaldenkirchener/innen den Weg zurück in den TSV oder neu zu uns finden. Ich bitte Euch alle, Sportinteressierte für uns zu gewinnen, für den Sport im Verein, für Sport und Kameradschaft, wie wir ihn seit über 100 Jahren kennen und leben.

Amateure und Profis    

Ich habe mich im vergangenen Jahr sehr geärgert über die Behandlung des Amateursportes in Deutschland. Wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung geht, um die Integration aller Menschen, der gesunden, derer mit Handicaps oder Migrationshintergrund, dann macht man uns wichtig, nutzt unseren ehrenamtlichen und zeitaufwändigen Einsatz in den verschiedenen Funktionen, derer es bedarf, um einen Amateurverein zu betreiben. Im Jahr der Pandemie waren wir unwichtig, man hat uns paar Euro angeboten, um kleine Geldlöcher zu stopfen. Wir brauchten diese Unterstützung nicht: wir planen und handeln solide und mit Bedacht. Lösungen für unsere schwierige Schließsituation, die vor allem das menschliche Binnennetzwerk der Vereine belastete, hat man in der Politik indes nicht gesucht, die Fachverbände im Übrigen auch nicht. Die haben weiterhin die Verbandsabgaben eingezogen, auch als über Monate kein Sport stattfand. Bei den Profis, bei denen es um Einkommen in Millionenhöhe geht, war man dagegen großzügig und entgegenkommend. Es geht mir nicht um Sozialneid. Wir konnten im letzten Jahr als Amateurverein konkret feststellen, was dran ist an den Sonntagsreden von ‚denen da oben‘. Mal sehen, welche Initiativen nun ergriffen werden, um den ehrenamtlichen Breitensport beim Restart zu unterstützen. Mit ganz pragmatischen Hilfen: z.B. durch eine bessere Unterstützung der Übungsleiter, bei der Wiederherstellung vereinseigener Anlagen oder bei einer großen Rechtsreform, die z.B. die Haftungsfragen von Vorstandsmitgliedern verbessert usw. Ich befürchte, wir werden lange warten müssen. Wie immer schon.        

Ungleichbehandlungen bei der Finanzierung der Sportplätze    

Der TSV unterhält und ertüchtigt nun seit fast 100 Jahren unsere Jahnkampfbahn. Im vergangenen Jahrzehnt wurden ein neuer Kunstrasenplatz mit neuer Flutlichtanlage, eine neue Traglufthalle für die Tennisabteilung, eine neue Stehtribüne am Kunstrasenplatz errichtet, im vergangenen Jahr die Aschenbahn saniert; der Bau eines neuen Gerätehauses beginnt nächste Woche. Auch Kleinigkeiten zählen: auf dem Rasen hinter dem Kunstrasenplatz hat die Turnabteilung Bodenhülsen für ein Volleyballnetz anbringen lassen: hier wird nun OutdoorFaustball gespielt. Schön. Das alles sind Investitionen, die wir als Verein mit Bedacht angehen und uns für unseren Sport leisten wollen und leisten können. Eine sehr viel größere Belastung ist die Alltagspflege der Jahnkampfbahn. Netto, also nach Abzug der städtischen Transferleistungen, legen wir Jahr für Jahr etwa 40.000 €, mal mehr, mal weniger, für den Unterhalt der Jahnkampfbahn aus eigenen Mitteln auf den Tisch. Ich empfinde das als eklatante Ungleichbehandlung unseres TSV. Die Mietzahlungen für die Turnhallen der Stadt sind gering, für den Sportplatz zahlen wir immense Summen drauf. Glücklich in Nettetal ist der Sportverein, der nur Hallensport betreibt. Welchen Grund und welchen Zweck hat dieses Sonderopfer des TSV, diese Sondersteuer für Outdoor-Sportler? Im Rahmen der Daseinsvorsorge steht die Stadt in der Pflicht, Sportplätze vorzuhalten, auch in Kaldenkirchen. Der TSV kann diese Zahlungen nicht dauerhaft aufbringen. Dis sind Beitragsgelder, die dem Sport entzogen werden. Das politische System, Sonderzahlungen nach unten durchzureichen, ist ungerecht und vereinswidrig. Hier muss Abhilfe geschaffen werden. In diesen Wochen planen die politisch Verantwortlichen, das ist der Presse zu entnehmen, Kaldenkirchen ‚neu zu denken‘. Vom 30. Juni an kann man sich beteiligen. Ich fordere euch alle auf, den TSV hierbei mit einem starken Votum zu vertreten: wenn nicht jetzt, wann dann‘. Wir müssen uns zu Wort melden, jetzt.  

Der Vorstand

Die Arbeit im Vorstand ist solide und unkompliziert. Wir können uns aufeinander verlassen, jede und jeder macht ihren und seinen Job. Wir haben im vergangenen Jahr 13 Mal getagt, davon nur 4 Mal analog. Die Tagesordnungspunkte wurden per Mail abgestimmt und protokolliert. Alles läuft in ruhigen Bahnen. Das Beste an unserer Arbeit ist, dass sie nicht auffällt, sondern leise die Voraussetzungen für das Funktionieren unseres TSV sicherstellt. Und doch wird viel und Vieles bewältigt: Nelle überwacht tausende Buchungen und sichert den Kontakt zum Steuerberater, Heinz die vielenVeränderungen in den Mitgliedschaften und die Beitragszahlungen, Gino kontaktiert die Versicherungen, Jürgen kümmert sich um alle kaufmännischen Fragen, Rainer um die Übungsleiter und die Kontakte zur Stadt, und Andre ist unser Mann für alle Fälle: ohne ihn hätte die Sanierung des Clubheims nicht funktioniert und wäre unser Torbogen nicht grundsaniert wieder auf dem Eingangstor montiert worden. Michael besorgt die Öffentlichkeitsarbeit und hat erneut unser Jahresheft zusammengestellt. Und unsere Kontaktstellen zu Alt und Jung funktionieren auch: Reinhard als Vorsitzender des Ältestenrates und Pia und Christine als Jugendleiterinnen: herzlichen Dank für Euren Einsatz. Meine Aufgabe besteht darin, die Fäden zusammenzuhalten, nichts zu verknoten und die Ziele des TSV als Gesamtverein im Auge zu halten. Ein gutes Team, eine tolle Truppe. Ich danke Euch für den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten.

Helfen, wenn es Not tut

Viele Dinge geschehen geräuschlos. So haben wir z.B. im vergangenen Jahr zwei Defibrillatoren angeschafft, die im Clubheim Tennis und beim Platzwart bereitstehen.  Wie wichtig diese Instrumente sind, hat sich erwiesen. Als auf dem Tennisplatz im vergangenen Jahr ein Spieler zusammenbrach und sein Leben in Gefahr war, haben beherzte Kameradinnen und Kameraden Nothilfe geleistet und mithilfe des Defibrillators den Ohnmächtigen so lange stabilisiert, bis der Notarzt kam. Zwei Dinge lehrt uns dieses Ereignis: anpacken, nicht weggucken, und: sich vorbereiten auf einen Ernstfall, der jederzeit eintreten kann. Von Herzen danke ich den Kameradinnen und Kameraden der Tennisabteilung für ihr beherztes und vorbildhaftes Eingreifen.  

Wie geht es weiter?

In den nun vor uns liegenden Monaten wird es vor allem darauf ankommen, den Sport in unseren Abteilungen wieder in den gewohnten Rhythmus zu bringen. Das wird an der einen oder anderen Stelle viel Kraft und Zeitaufwand erfordern. Wir werden uns mit unserem Sportangebot auf Sicht auch breiter aufstellen müssen: die Zeiten ändern sich und wir müssen uns dem Individual- und Trendsport weiter öffnen. Auch diese Frage ist nicht schnell zu beantworten: jeder Sport verlangt Ziele, Organisation und Übungsleiter. Dazu verfolgen wir im Vorstand zwei große Ziele, die neue Investitionsmaßnahmen auf der Jahnkampfbahn zur Folge haben werden, nicht heute, nicht morgen, aber auch nicht in weiter Ferne. Wir haben bei der Stadt Nettetal den Antrag gestellt, das Baurecht auf unserer Jahnkampf zu überarbeiten und neu zu beschließen: wir möchten eine 400-m-Tartanbahn errichten, die jetzige ist 375 m lang und muss deshalb neu geplant werden. Dazu sind Eingriffe in den Waldbestand notwendig. Das muss rechtlich genehmigt werden. Der Antrag ist in Bearbeitung, bis zur Rechtskraft wird es noch mehr als 1 Jahr brauchen. Das andere Projekt ist die Errichtung einer Gymnastikhalle auf der Jahnkampfbahn, die ganzjährig nach unseren Vorstellungen dem Turn- und Reha-Sport zur Verfügung steht. Sie wird im neuen Baurecht aufgenommen werden. Beide Projekte dienen dem Ziel, dass man auch als junger oder alter Einzelsportler/in oder in Kleingruppen auf der Jahnkampfbahn Sport betreiben kann: joggen, Leichtathletik, Turnen, Reha-Sport. Wir sind es als Sportler gewohnt, uns Ziele zu setzen und sie mit langem Atem und ständigem Training zu verfolgen. Das wird uns auch bei diesen beiden Projekten gelingen. Da bin ich mir sicher.

Eine Schlussbemerkung zur Vorstandsarbeit:  

Vorstandsarbeit ist zumeist keine Arbeit, nach der man sich drängt. Aber ohne sie funktioniert kein Verein. In den letzten Jahren sind einzelne Vorstandsmitglieder, z.T. nach 40 Jahren Mitarbeit wie Dieter Scholten, ausgeschieden. Die Mauser geht weiter. Ich kandidiere heute Abend zum 8. Mal für die Wahl zum Vorsitzenden und gehe damit meine letzte Amtszeit an. Ich bitte Euch alle, Euch auch um die Vorstandsarbeit zu sorgen. Sie ist nicht schwer, wenn man die Arbeit als Mannschaft erledigt und unterschiedliche Meinungen zu einem jeweils erträglichen Konsens zusammenführt. Bisweilen sind kleinere Streitereien zu kitten, das klappt, wenn man den TSV als Ganzes zusammenhält. Sport ist schön, im Verein am schönsten. Auch im Vorstand. Wer meint, er könne dem TSV bei der Vorstandsarbeit unterstützen, möge sich melden – er oder sie kann gerne einmal schnuppern kommen.  

Das letzte Jahr war ein schwieriges Jahr. Der TSV hat die Aufgaben, die dieses Mal außerhalb des Sportbetriebes ausgelöst wurden, angenommen und gelöst. Ein gutes Zeichen. Jetzt geht das Leben weiter: Sport und Kameradschaft stehen wieder im Mittelpunkt. Das nächste TSV-Jahr soll wieder ein schönes Jahr werden. Packen wir es an und stehen wir zusammen, wie seit 136 Jahren.  

Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.

Dr. Paul Schrömbges, Vorsitzender